{"id":17,"date":"2014-11-09T18:39:21","date_gmt":"2014-11-09T16:39:21","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.ocwels.at\/?p=17"},"modified":"2014-11-09T18:39:21","modified_gmt":"2014-11-09T16:39:21","slug":"wem-nuetzt-dieser-streik-deutsche-lokfuehrer-im-postensuizid","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.ocwels.at\/?p=17","title":{"rendered":"Wem n\u00fctzt dieser Streik? &#8212; deutsche Lokf\u00fchrer im Postensuizid&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Seit Anfang der vergangenen Woche hat ein neues Streik-Monster unsere Nachbarn in Deutschland erfasst: die Lokf\u00fchrer der Deutschen Bahn rufen eine Streikaktion aus.<\/p>\n<p>Im Vorfeld gab es schon reichlich Kritik zu dieser Aktion. Nicht nur die Deutsche Bahn und die Wirtschaft an sich waren h\u00f6chst unerfreut \u00fcber diese Ank\u00fcndigung, auch die Gewerkschaften selbst waren \u00fcber den kampfbereiten Teilverband alles andere als begeistert.<\/p>\n<p>Grund f\u00fcr jene Arbeitsniederlegung ist nach Darstellung des Vorsitzenden der Lokf\u00fchrer-Gewerkschaft der Ruf nach mehr Lohn und besseren Arbeitszeiten. So gesehen sind seine Forderungen denen der Pilotengewerkschaft nicht un\u00e4hnlich &#8211; aber letztere geht ja ebenfalls st\u00e4ndig in den Streik&#8230;<\/p>\n<p>Die Frage ist nun, was beide Gewerkschaften mit dem st\u00e4ndigen Streiken erreichen k\u00f6nnen? Und die Antwort auf jene Frage ist eigentlich frustrierend:<\/p>\n<ol>\n<li>Bahn und Lufthansa erleiden durch den Streik Verluste in Millionenh\u00f6he, was die eh schon wirtschaftlich angeschlagenen Betriebe noch mehr belastet.<\/li>\n<li>Verluste m\u00fcssen irgendwie wieder herein geholt werden &#8211; ein beliebtes Mittel daf\u00fcr sind Einsparungen beim Personal &#8211; eine K\u00fcndigungswelle rollt gewiss noch an.<\/li>\n<li>Oder aber es werden weniger rentable Bahn- und Flugverbindungen eingestellt, weil die Betriebe h\u00f6here Gewinnspannen brauchen, um die Streik-Verluste abfangen zu k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Gerade bei der Bahn m\u00fcssen jene Verluste au\u00dferdem einerseits durch Fahrpreiserh\u00f6hungen, andererseits durch staatliche Subventionen aufgefangen werden.<\/li>\n<li>Der Staat wird durch den Bahnstreik national bedroht, weil die Wirtschaft f\u00fcr mehrere Tage gel\u00e4hmt ist, wie nach einem landesweiten Bombenangriff! Arbeitnehmer kommen nicht zur Arbeit, Rohstoffe bleiben liegen, der Tourismus sackt zusammen.<\/li>\n<li>Gleichzeitig platzen die Verkehrswege aus allen N\u00e4hte, die Polizei ist rund um die Uhr mit Stra\u00dfenproblemen befasst, w\u00e4hrend die restlichen Sicherheitsagenden zur\u00fcck gestellt werden m\u00fcssen. Die Unfallh\u00e4ufigkeit steigt an, weil es ja auch mehr Verkehrsteilnehmer gibt, die au\u00dferdem extrem genervt und gereizt sind.<\/li>\n<li>Die Volksmeinung zu Bahn und Fluglinien rasselt komplett in den Keller. Die Lokf\u00fchrer sind ohnehin l\u00e4ngst nicht mehr beliebt. Und nicht nur hinter der Hand wird die GDL mit einer terroristischen Vereinigung verglichen, die nur darauf abzielt, f\u00fcr eigene Ziele ohne R\u00fccksicht auf Verlusste ein ganzes Land leiden zu lassen.<\/li>\n<li>Weil die gesamte Wirtschaft unter diesem Streik zu leiden hat, werden auch in der ganzen Wirtschaft durch diesen Streik viele Menschen den Job verlieren. Also kann man zurecht sagen: die Lokf\u00fchrer verschulden die Arbeitslosigkeit unz\u00e4hliger Menschen in Deutschland &#8211; und man darf annehmen, dass weit mehr Menschen den Job verlieren, als Lokf\u00fchrer bessere Arbeitsbedingungen erhalten.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Nat\u00fcrlich w\u00e4re es jetzt genauso falsch, von den Lokf\u00fchrern zu verlangen, dass sie sich zum Wohle der restlichen B\u00fcrger aufopfern m\u00fcssen. Trotzdem muss man sich fragen, ob der aktuelle Schaden, der von der Gewerkschaft bewusst in Kauf genommen und sogar als Waffe verwendet wird, wirklich ein geeignetes Mittel zur Verbesserung der Lage ist.<\/p>\n<p>Wem mag es n\u00fctzen, wenn ein Land kollektiv in wirtschaftliche Not getrieben wird und der Arbeitgeber sowohl Streikschaden als auch stagnierende Ums\u00e4tze hat? Wem n\u00fctzt es, wenn dieser Schaden an den einfachen Mann weiter gereicht wird &#8211; sei es in Form von Teuerung, sei es in Form von h\u00f6heren Steuern, sei es in Form von Arbeitslosigkeit? Von all dem bekommt der GDL-Vorsitzende nat\u00fcrlich nicht besonders viel mit. Herr Weselsky wird kaum noch selbst als Lokf\u00fchrer im Dienst sein, weil er doch als Vorsitzender ganz andere Aufgaben hat. Auch wird er sich kaum dar\u00fcber Gedanken machen m\u00fcssen, wie er am Monatsende gerade noch seine Familie ern\u00e4hren kann oder ob am Monatsersten das Geld f\u00fcr die Miete vorhanden ist.<\/p>\n<p>Hier wird ein sozialer Streit gef\u00fchrt, der so sozial ja gar nicht ist. Und Herr Weselsky muss sich l\u00e4ngst den Vorwurf gefallen lassen, dass er seine eigene Profilierungssucht oder pers\u00f6nliche Kr\u00e4nkungen \u00fcber jede Realvernunft stellt.<\/p>\n<p>Also bleibt tats\u00e4chlich nur noch die eine Frage:<\/p>\n<blockquote>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Wielange soll der Postensuizid<\/h2>\n<h2 style=\"text-align: center;\">von Lokf\u00fchrern und Piloten<\/h2>\n<h2 style=\"text-align: center;\">noch dauern?<\/h2>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Anfang der vergangenen Woche hat ein neues Streik-Monster unsere Nachbarn in Deutschland erfasst: die Lokf\u00fchrer der Deutschen Bahn rufen eine Streikaktion aus. Im Vorfeld gab es schon reichlich Kritik zu dieser Aktion. 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